| Faulheit „Made
in Germany“

Haben Sie schon einmal von einem deutschen Heerführer gehört,
der Faulheit nicht nur lobte, sondern sogar belohnte?
Was soll der Quatsch, werden Sie jetzt denken. Es passt nicht in das
Klischee vom fleißigen, arbeitswütigen Deutschen, dass es
einen solchen Heerführer je gegeben haben könnte. Aber, …
es gab ihn doch! Und er war noch dazu ein bedeutender Mann.
Sein Name: General Helmut von Moltke, Chef des deutschen Generalstabs
von 1858 bis 1888. Unter seiner Führung wurde das Preußische
Heer zu einem Modell für alle modernen Armeen. General von Moltke
unterteilte das ganze Offizierskorps in vier klar umrissene Menschen-typen,
je nach den geistigen und körperlichen Eigenschaften:
1) geistig stumpf und körperlich träge,
2) geistig klar und körperlich dynamisch,
3) geistig stumpf und körperlich kräftig und
4) geistig klar und körperlich faul.
Diejenigen Offiziere, die sowohl geistig stumpf als auch körperlich
träge waren, bekamen einfache, sich wiederholende Aufgaben ohne
große Herausforderungen.
Diejenigen, die sowohl geistig klar als auch körperlich dynamisch
waren, taugten
nach Moltkes Erfahrung am besten für eng umrissene Tätigkeitsbereiche.
Als Führungskräfte waren Sie seiner Meinung nach ungeeignet.
Er beförderte solche Offiziere niemals in die höheren Dienstgrade
des Generalstabs.
In den Offizieren, die geistig stumpf, aber körperlich kräftig
waren, sah er eine latente Gefahr. Er hielt sie für lebende Fehlerquellen,
die ständiger Aufsicht bedurften. Da sie schneller Chaos anrichteten,
als Ordnung wieder hergestellt werden konnte, wurden sie entlassen.
Nur die geistig klaren und dabei körperlich faulen Offiziere hielt
Moltke für geeignet, um in die höchsten Ränge der Heeresführung
aufzusteigen.
Warum? Weil dieser Typus genügend Klarheit besaß, um zu erkennen,
was zu tun war. Gleichzeitig war er jedoch faul genug, um stets den
leichtesten und einfachsten Weg zu finden. Und natürlich würde
solch ein Offizier sich niemals in Einzelheiten verzetteln. Für
diesen „Kleinkram“ gab es ja arbeitswütige untergeordnete Dienstgrade.
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