| Und die Moral von
der Geschicht’ …

Immer wieder begegne ich Menschen, die voller Stolz berichten, ihre
Schufterei habe sich letztlich doch ausgezahlt. Ich will nicht abstreiten,
dass viele dieser Menschen Hervorragendes geleistet haben. Ich bestreite
aber, dass diese Erfolge irgendetwas mit Schufterei zu tun hatten.
Nach meiner Erfahrung ist das, was erfolgreiche Menschen als harte Arbeit
hinstellen, überhaupt keine Arbeit und schon gar nicht hart. Es
wäre sehr viel ehrlicher und vor allem ermutigender, wenn diese
Menschen endlich offen zugäben, was sie in Wahrheit zum Ziel geführt
hat: Es ist die Liebe zur Sache, die Begeisterung für das, was
sie tun.
Ich muss immer wieder lachen, wenn sogar Spitzensportler ihren Erfolg
auf harte Arbeit zurückführen. Wenn ein Basketballspieler
behauptet, er habe seinen perfekten Korbwurf harter Arbeit zu verdanken,
dann kann ich nur sagen: „Blödsinn!“ Er war verliebt in das Spiel
und konnte nicht aufhören, mit Feuereifer zu trainieren. Das ist
der Punkt! In jeder Liga, in jeder Halle kann man es sehen: Wer Basketball
arbeitet, wird nie ein Star. Nur wer aus vollem Herzen Basketball spielt,
hat eine Chance.
Auch Golfspieler können mir nicht weismachen, dass sie hart an
ihrem Spiel arbeiten. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich kann Golfbälle
schlagen, bis ich Blasen an den Händen habe oder bis nachts die
letzten Scheinwerfer ausgehen. Aber Arbeit ist es dann höchstens,
meiner Frau zu erklären, warum ich schon wieder so spät nach
Hause komme.
Und was ist mit dem Manager, der behauptet, er arbeite 16 Stunden am
Tag? Ja, Manager haben manchmal ein hohes Pensum. Das gilt besonders
für Entrepreneure, die gerade eine neue Geschäftsidee erproben.
Der Aufbau eines komplett neuen Unternehmens ist eine erhebende Erfahrung.
Ja, davon kann man fast „high“ werden. Jeder Schritt in Richtung Erfolg
verschafft ein solches Hochgefühl, dass man am liebsten sofort
weitermachen würde. Aber ist das Arbeit?
Nein. Es ist viel mehr die berauschende Freude, die den Unternehmer
bei der Stange hält. Je näher er dem Ziel kommt, desto weniger
zählt er die Stunden. Nur, masochistisch ist das nicht.
Außerdem weiß gerade der Entrepreneur genau, dass er – wenn
nichts schief läuft – bald mehr Mitarbeiter und Manager wird einstellen
können, denen er immer mehr Aufgaben übergeben kann. Anders
gesagt: Sein hoher Einsatz am Anfang wird langfristig dazu führen,
dass er – wie könnte es anders sein – mit weniger persönlichem
(Zeit-)Aufwand erheblich mehr erreichen kann.
Also: Wenn Sie derzeit eine Arbeit verrichten, die Sie nicht mögen,
mag das für den Augenblick akzeptabel sein. Bedenken Sie aber,
dass Sie es so nicht zu wirklichen Spitzenleistungen bringen werden.
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